Die Bürgerinitiative Saubere Energie Dörpen hat sich in einem Offenen Brief an die EWE gewandt. Die EWE AG war als möglicher Partner für das geplante Kohlekraftwerk in Dörpen genannt worden.
Hier der Brief im Wortlaut:
Sehr geehrte Damen und Herren,
aus der Presse haben wir erfahren, dass Sie als potentieller Partner für das geplante
Kohlekraftwerk in Dörpen benannt wurden. Ihrer Stellungnahme war zu entnehmen, dass Sie
dieses Vorhaben als „interessantes Projekt“ ansehen.
Ihnen ist bekannt, dass wir und der überwiegende Teil der Bevölkerung diesem Vorhaben sehr kritisch gegenüberstehen und den Bau des Kohlekraftwerks aus vielen bereits bekannten
Gründen ablehnen. Durch eine mögliche Beteiligung der EWE an diesem Projekt ergeben
sich weitere schwerwiegende Gefahren und Risiken für unsere gesamte Region und für Sie
als regionalen Energieversorger, die uns dazu bewogen haben, Ihnen dringend von einer
Beteiligung abzuraten.
Bereits Mitte 2008 hatten wir die CDU-Entscheidungsträger dringend davor gewarnt, die
Dörpener Papierwerke „UPM-Nordland“ zu einer Beteiligung zu drängen. Inzwischen hat
UPM-Nordland selbst jedwede Beteiligung an diesem Projekt aufgrund der unkalkulierbaren
Risiken abgelehnt.
Aber auch der Bau des Kohlekraftwerks ohne Beteiligung der Papierfabrik birgt weitere
Risiken für die Arbeitsplätze bei Nordland. Die weitere Entwicklung des Papierstandortes
Dörpen wird durch die Ansiedlung dieser dreckigsten aller Energieformen in hohem Maße
gefährdet.
Nordland ist einer der wichtigsten EWE-Kunden und einer der größten Arbeitgeber in der
Region. Wir fordern Sie auf, weiterhin gemeinsam mit diesem Unternehmen an einer
zukunftsfähigen Lösung der Energiefrage zu arbeiten. Mit einer Beteiligung am geplanten
Kohlekraftwerk riskieren Sie den Verlust dieses Kunden. Aber auch die Entwicklung der
Region wäre durch das Kohlekraftwerk auf Jahrzehnte hinaus blockiert und damit wären auch
sowohl Ihr Energieabsatz als auch die hoffnungsvolle Entwicklung neuer Formen der
Energieerzeugung gefährdet, was letztendlich auch Ihrem Unternehmen erheblichen Schaden
zufügen würde.
Unterschätzen Sie auch nicht den Imageschaden, den Sie ihrem eigenen Unternehmen
zufügen würden. Eine Online-Umfrage des EL-Kuriers vom 11. bis 17. Januar 2009 hat
ergeben, dass mehr als 90% der Bevölkerung den Bau des Kohlekraftwerks ablehnen. Auch
wenn die verantwortlichen CDU-Politiker, allen demokratischen Regeln zum Trotz, das
eindeutige Votum der Bürger ignorieren, sollten Sie als Wirtschaftsunternehmen diese Zahl
doch sehr ernst nehmen. Als Beispiel dafür seien hier die Stadtwerke Bremen (SWB) genannt,
an denen Sie mit 49% beteiligt sind. Vor ca. 2 Jahren gab die SWB die Planung eines
Kohlekraftwerks zusammen mit einem niederländischen Investor bekannt. Innerhalb kürzester
Zeit kündigten über 5000 Bremer ihre Stromverträge bei der SWB. Um einen Dammbruch zu
verhindern, stellte die SWB sofort alle weiteren Planungen ein. Von den wirtschaftlichen
Schäden und dem Vertrauensverlust hat sich die SWB bis heute nicht erholt. Dieses Szenario
droht auch der EWE sobald sich eine Beteiligung am Kohlekraftwerk konkretisiert.
Niemand will Kohlestrom, auch nicht von der EWE.
Ein weiterer Risikofaktor ist Ihr potentieller Partner, die BKW. Zwischen den verlässlich
wirkenden Ankündigungen und dem tatsächlichen Verhalten liegen Welten. Bereits 2008 hat
die BKW als Hauptgrund für ihr weiteres Engagement die bereits investierten Gelder
angegeben. Wenn Sie verlässlich feststellen wollen, wohin die Reise für die BKW gehen
wird, schauen Sie in die Schweiz. Sie werden feststellen, dass dort sowohl die Politik, die
immer stärker werdenden Verbände, als auch die Bürger derzeit die Weichen für einen
Ausstieg der BKW stellen. Der Imageschaden, den sich die BKW selber zufügt, steigt von
Tag zu Tag.
Überrascht hat uns Ihre Feststellung, es handle sich um ein „interessantes Projekt“. Alle
Fakten und alle seriösen Prognosen sprechen dagegen. Der Klimawandel hat bereits zu einem
Umdenken geführt, die bereits vorhandenen technischen Möglichkeiten werden die
Kohleverstromung überflüssig machen. Trotzdem hat die verstärkte Lobbyarbeit der großen
Stromkonzerne dazu geführt, dass Investoren aller Couleur wider alle Vernunft Riesenprofite
und Renditen aus der Kohleverstromung erwarten. Diese Blase wird genau so platzen wie die
Spekulationsblase der New Economy und die Kreditblase der Großbanken, die letztendlich
die schon begonnene Wirtschaftskrise verursacht hat.
Elf Kohlekraftwerke sind gegenwärtig in der Norddeutschen Tiefebene geplant. Deren CO2Ausstoß
wird bereits in absehbarer Zeit den für Deutschland angestrebten Gesamtwert
überschreiten. Trotzdem wird die derzeitige niedersächsische CDU/FDP Landesregierung
unter Ministerpräsident Christian Wulff nicht müde, gleichsam in einer Art klimapolitischem
Amoklauf, Niedersachsen zum europäischen Kohleklo zu machen. Dieses Vorhaben wird
nicht gelingen. Die Verlierer dieser Entwicklung werden vor allem diejenigen kleinen und
mittleren Energieversorger sein, die sich von den Profitversprechungen haben blenden lassen.
Daher unsere abschließende Bitte an Sie, die EWE:
Bleiben Sie Ihrer bisherigen Linie treu und investieren Sie in die Zukunft, anstatt in
Kohlekraftwerke!
Für die Bürgerinitiative „Saubere Energie Dörpen“
Wilhelm Gebken
Heidbrücker Feld 18a
26897 Esterwegen
Tel.: 05955/902207
Mobil: 0177/9547055
E-Mail: willi_gebken @yahoo.de
Sprecher der Ortsgruppe Esterwegen